ISBN: 978-3-746733-93-7

JUNI. 2 0 1 8. - "Familien Geschichten"

Illustriert mit Werken des Grünauer Malers und Grafikers Johannes Burkhardt

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„Ich - Johannes Burkhardt. Geboren 1929. Diplom 1953.
Freischaffender Künstler, Landschaft und Porträt, auch Wandmalerei.
1955 Heirat mit der Tanzpädagogin Christine Kerda.
Wohnorte der Familie: Leipzig, Dölzig, Leipzig-Grünau.
Zwei Töchter, vier Enkel, vier Urenkel …“__________________________________

Axel-P. Teichert     Veränderungen im Leben eines Grünauers
Bereits seit Planungsbeginn in den 70er Jahren für das größte Neubaugebiet in Leipzig war ich in die Verkehrserschließung einbezogen und konnte zur Freude unserer Familie 1980 selbst eine schöne Drei-Raum-Wohnung beziehen.   ...

Dieter Langer   Zum Baden nach Grünau
Aber nicht an den tollen Kulki, sondern zu Opa und Oma in die warme Badewanne. Klingt das komisch? Für uns mitnichten. Anfang der Siebziger lernten wir uns kennen und lieben. Dann die Traumhochzeit, wo aber gemeinsam wohnen?  ...

Christine Kayser     Urlaubsbetreuung in den Sommerferien
Eines Tages stellten sich neue Mieter vor. Eine ehemalige Lehrerin für Mathematik und Deutsch und ein Opernsänger, der noch fleißig in der Oper im Chor mitsang. Mit ihnen zogen zwei Hunde, zwei Yorkshire-Terrier, ein.    ...

Hartmut Tympel   Wisst Ihr noch - die Burgschänke?
Die Gäste der „Burgschänke“ waren meistens friedvolle Bürger. Gab es doch einmal Ärger, schritt der Wirt höchstpersönlich ein. Neben dem Verkaufswagen stand eine Regentonne, welche ca. 200 Liter Wasser fasste. Dort tauchte der Wirt unliebsame, stänkernde Gäste kopfüber ein und ließ diese eine längere Zeit unter Wasser. Bei manchem bekam man Angst, dass er bei dieser Prozedur ertrinkt. Das ist keinem passiert. Aber nüchtern waren danach alle.    ... 

Silke Heinig     Das Popometer
Völlig heiser schlurfte ich letzten Herbst in die Apotheke am PEP. Der Kopf tat mir weh, die Schultern hingen schlaff und ich schwitzte. Dabei war ich gerade mal aus der Straßenbahn ausgestiegen. Ich wollte nur ein verträgliches Erkältungsmittel kaufen und mich dann zu Hause einkuscheln. Aber die Apotheke war knackvoll. Das konnte dauern. Neben mir drehte sich ein kleines Mädchen immer mal wieder um die eigene Achse. Sie spielte mit ihrem Schatten, den die vielen Deckenlampen im Raum herbeileuchteten. Ich lächelte sie an. Diese kindliche Unbekümmertheit kam mir in meiner drögen Grippeblase so wunderbar leicht und schwerelos vor. Als ich endlich dran war, konnte ich kaum reden. In dem Moment stupste mich die Kleine von der Seite an: „Du musst Dir Honig in die Milch machen und mit dem Popometer messen. Dann geht’s Dir morgen wieder gut.“  So einfach ist das.

Beate Bühner     Aller guten Dinge sind drei oder „Mein Brautkleid hat drei Leben“
Nach meiner Hochzeit hatte mein langes weißes Brautkleid seine Dienste für mich getan. Es trug dazu bei, mich als Braut für diesen einen Tag sehr glücklich zu machen und ich glaube, ich gab damals eine ganz gute Figur darin ab.

Susanne Rosenkranz   Kinderfrisör
Liebe Maria!      Neulich führten wir ein Telefonat, indem du mir sagtest: „Mutti, wir müssen jetzt aufhören, denn wir verreisen übers Wochenende. Ich muss Christian noch die Haare schneiden!“ Deshalb hatte ich die Erinnerungen und schrieb diesen Text und möchte ihn dir zu deinem 32. Geburtstag schenken.

Gudrun Ebert   Dornröschen hat Feierabend
Leise gleitet die S-Bahn durch den Abend. In der Dämmerung ziehen Felder, Wiesen, Ortschaften an mir vorbei. Seit einigen Jahren fahre ich nun schon mit meinem Spinnrad zum „Oma-und-Opa Tag“ in das Volkskundemuseum Wyhra im Landkreis Leipzig. Ich zeige dort, wie man früher aus einem Berg schmutziger Schafwolle einen Faden hergestellt hat. Mit meinem Spinnrad und dem Wollkorb sitze ich im Hof des Museums, einem gepflegten Vierseitenhof.  Es dauert nie lange, da komme ich ins Gespräch mit den Besuchern. Manche erzählen mir aus ihrer Kindheit, als die eigene Großmutter am Spinnrad saß. Einige Meter weg von mir steht ein kleines Mädchen. Sie steht, hält den Kopf etwas schräg und schaut mir zu, was ich da mache. Plötzlich hebt sie ihren Kopf und schaut mir direkt in die Augen. „Sag mal“, fragt mich das Mädchen, „heißt du Dornröschen?“ Oh, das hatte mich noch niemand gefragt. Ich weiß für einen Moment nicht, was ich antworten soll. Mir fiel natürlich sofort das alte Kinderlied ein: Dornröschen war ein schönes Kind. „Ich glaube nicht, dass ich ein Dornröschen bin“, antwortete ich ihr schließlich. „Dornröschen war doch jung und schön ...“ Das Mädchen ließ mich nicht ausreden. Sie hatte eine ganz einfache Erklärung: „Ach was“, sagte sie und schaute mich verschmitzt an, „alle Mädchen werden mal Oma.“ Zuerst war es ganz still um mich. Dann war nur noch freundliches Lachen der umstehenden Besucher zu hören. Wie gut das tut. „Nächste Haltestelle: Leipzig, Grünauer Allee.“ Ach herrje, ich muss aussteigen. Der Zugbegleiter hilft mir, mein Spinnrad auf den Bahnsteig zu setzen. „Na, Feierabend?“, fragt er. „Ja“, sage ich noch ganz in Gedanken an das kleine Mädchen.  „Dornröschen hat Feierabend.“ Als sich die Türen der S-Bahn schlossen, sah ich sein Lachen.

Dr. Manfred Anders   KINDERMUND DER ENKEL   Alles wegen Schneewittchen!
Kurz vor Taucha stand im Sommer viele Jahre ein Wagen, an dem man im "Direktverkauf" frische Äpfel kaufen konnte. Wir nahmen eine große Tüte mit und fuhren direkt zu den Kindern. Als unsere Tochter die Enkeltochter Anne (4) fragt, ob denn die richtigen Äpfel drin wären, können wir damit nichts anfangen. Anne bejaht, mit dem Hinweis, dass Grüne und Gelbe drin wären. Ergänzend erklärt unsere Tochter, dass das Kind keine gelb-roten Äpfel mehr isst.
Und Anne fügt hinzu: "Na, wegen Schneewittchen!"